SELTENER NACHWUCHS

Christian Stotz ist Schäfermeister in fünfter Generation. Mit rund 2400 Muttertieren in drei Herden führt er eine der größten Wanderschäfereien im Südwesten Deutschlands. Erst vor kurzem hat er den elterlichen Betrieb übernommen, heute eine Seltenheit. Jedes Jahr gibt es weniger hauptberufliche Schäfer, viele Kleinbetriebe finden keine Nachfolger. Die Arbeit ist hart und die Tage sind lang. Aber der Beruf ist abwechslungsreich, es ist nie langweilig, erzählt Christian Stotz.
ICH KAM ZU DEM BERUF, WEIL MEINE ELTERN SCHON IMMER DEN BETRIEB HATTEN. ICH HABE ES VON KLEIN AUF MITERLEBT. DER BERUF MACHT SPAß UND MAN MÖCHTE NICHT, DASS DER BETRIEB ZU ENDE GEHT.
CHRISTIAN STOTZ

EIN WERTVOLLER ROHSTOFF WIRD NEBENPRODUKT

Früher haben die Schäfer der Region vor allem von der Wolle gelebt. Die Preise sind in den letzten Jahren aber erheblich gefallen und es gibt kaum Abnehmer. Der an sich wertvolle Rohstoff ist in Deutschland meist nur noch ein Nebenprodukt der Fleischproduktion und Landschaftspflege. Christian Stotz treibt deshalb seit ein paar Jahren die Selbstvermarktung voran. 99% seiner Muttertiere sind Merinolandschafe. Mittlerweile liefert er das Haar dieser Feinwoll-Schafrasse an zwei regionale Partnerbetriebe, die sie zu Kleidung und Garn verarbeiten.
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EINFACHES EIN- UND AUSSTEIGEN
IM GROSSEN UND GANZEN BEGINNT DER TAG IMMER DAMIT NACH DEN SCHAFEN ZU SCHAUEN UND DIE ZU FÜTTERN, DIE SICH IM STALL BEFINDEN. DANN SCHAUT MAN NACH DENEN AUF DER KOPPEL UND DENEN, DIE UNTERWEGS SIND.
CHRISTIAN STOTZ

DIE SCHÖNEN WACHOLDERHEIDEN

Zu den Hauptaufgaben der Schäferei in Südwestdeutschland zählt aber die Landschaftspflege. Die Schafe weiden die zahlreichen Wacholderheiden der Region ab und verhindern, dass sie verwildern. Mit Maschinen wäre das vor allem in den Steilhängen schwierig und teuer. Aber auch Natur und Biodiversität profitieren von den Schafen. Eine Vielzahl von Pflanzen und Insekten würde bei einer normalen landwirtschaftlichen Nutzung verdrängt werden oder aussterben.
SOLANG DIE SCHAFE IM STALL SIND, BEKOMMEN DIE TIERE HAUPTSÄCHLICH GRASSILAGE UND DIE LÄMMER GETREIDEMISCHUNG AUS UNSERER REGION, NATÜRLICH GENFREI. DRAUßEN LEBEN SIE NUR VOM GRAS UND DEN KRÄUTERN.
CHRISTIAN STOTZ

DER SCHÄFER UND DER WOLF

Tagsüber, wenn die Herden draußen sind, betreut der Schäfer die Tiere. Abends werden die Schafe auf Weiden getrieben, die von Elektrozäunen begrenzt sind. Das ist eine Notwendigkeit, sagt Christian Stotz, denn alleine kann man die Tiere nicht laufen lassen. Die Nacht bringt aber noch ganz andere Probleme mit sich: Der Wolf kehrt nach Deutschland zurück und so eine Schafherde im Elektrozaun ist natürlich eine gedeckte Festplatte für so ein Tier, erzählt der Schäfer. Doch auch dieses Problem wird Christian Stotz irgendwie lösen.
UNSERE ZUKUNFT MUSS MAN SAGEN, STEHT ETWAS IN DEN STERNEN. ZURZEIT IST DER WOLF WIEDER IM ANMARSCH. MAN MUSS ABWARTEN, WAS PASSIERT.
CHRISTIAN STOTZ
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ERFOLGREICHE VORREITER

Direktvermarktung, regionaler Vertrieb und ein außergewöhnlicher Qualitätsanspruch – die Stotzs waren schon immer Vorreiter. Zurzeit legt Christian Stotz Wert darauf, technische Neuerungen auszuprobieren. Er will die Arbeit auf den Weiden und im Stall weiter reduzieren und vereinfachen. Seine Eltern und er haben gelernt, dass Neuerungen den Betrieb am Ende fast immer verbessern. Aber manchmal, schmunzelt der Schäfer, muss er sich auch eingestehen, dass das Altbewährte das Richtige ist. Wichtig sei es immer, seine Ziele zu erreichen, sagt der Schäfer, Erfolg zu haben – und genau danach arbeite er.